Archiv für August 2015

„Skandale!“ – CfA zum 3. Studentischen Symposium

Guttenberg, der Gang nach Canossa, Cäsar und Kleopatra, Watergate – Skandale sind eigentümliche gesellschaftliche Phänomene.

Sie treten rasant auf und sind begleitet von medial vermittelter, öffentlicher Empörung und Debatten über Normen und Maßstäbe. Meist enden sie mit dem Fall gesellschaftlicher Größen. Dem unvermittelten Auftreten folgt oft ein langes Ausschweigen über den eigentlichen Skandal. Zudem ist der starke Ereignischarakter von Skandalen einer zunehmend kulturgeschichtlich ausgerichteten Wissenschaft unlieb. Dies könnte das vergleichsweise geringe Interesse der Geschichtswissenschaft am Skandal erklären. Doch die Behandlung von Skandalen erscheint durchaus auch aus Sicht kulturgeschichtlicher Ansätze als sinnvoll. Das dritte Symposium der Geschichtswissenschaft an der Universität Bamberg steht deshalb unter dem Thema: „Skandale!“.

Für dieses Symposium laden Studierende der Universität Bamberg ihre Kommiliton_innen, Student_innen anderer Fakultäten und Universitäten, sowie Nachwuchswissenschaftler_innen dazu ein, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren. Häufig werden im Rahmen von Seminar- oder Abschlussarbeiten spannende Thesen aufgestellt und erörtert, von denen nur ein begrenztes Publikum erfährt. Unser Symposium soll eine Plattform für alle sein, die gerne eines ihrer Forschungsergebnisse präsentieren und diskutieren möchten. Für das Thema des dritten Symposiums erscheinen vor allem vier Perspektiven aussichtsreich:

Mentalitätsgeschichtlich weisen Skandale auf Transformationen von Normen und Überzeugungen innerhalb der Gesellschaft hin, die im Skandal verhandelt werden. Der Ausgang eines Skandals kann liberalisierend oder restriktiv auf gesellschaftlich akzeptierte Normen wirken. So war Brechts „Baal“ bei seiner Uraufführung 1923 ein Schock für das Bürgertum und gilt heute als Schullektüre. Demnach stellt sich die Frage: Wie haben aufsehenerregende Ereignisse unser Miteinander über die Zeit hinweg beeinflusst?

Sozialgeschichtlich erlauben Skandale den Einblick in die Artikulations- und Partizipationsmöglichkeiten von sozialen Gruppen. Mit ihrer Hilfe kann die Geschichte der Öffentlichkeit von mittelalterlichen Stadtgemeinden zu globalen Gesellschaften der Gegenwart nachvoll-ziehbar erzählt werden.

Skandale eignen sich zudem aufgrund ihrer zeitlichen Begrenzung als ideale Fallbeispiele für die Erforschung der mediengestützten Herstellung, Publikation und Transformation von Wissen. Denn durch welche Netzwerke und Mechanismen wird ein Skandal bekannt? Erst durch die Verbreitung des Wissens über Normbrüche, kann eine Öffentlichkeit hergestellt werden, die über die Haltung zum Normbruch debattiert und entscheidet. Wissensgeschichtlich können daher die Verbreitungswege verfolgt und die Konstitution von Denkkollektiven und epistemen Netzwerken, sowie deren Einfluss auf den Verlauf des Skandals erörtert werden.

Verlauf und Ausgang des Skandals fußen allerdings auch auf emotionalen Dispositionen wie Vertrauen, Empörung, Enttäuschung oder Wut. Aber warum lösen bestimmte Ereignisse ebendiese Gefühle in der breiten Bevölkerung aus, andere aber nicht? Der Skandal erlaubt der Emotionsgeschichte einen Zugang in die qualitativen Werte- und Gefühlssysteme einer Gesellschaft, sowie zur öffentlichen Wertschätzung und Missbilligung von Einzelpersonen bzw. deren Handlungen. Schließlich ermöglichen historische Skandale auch die Bewertung der sozialen Artikulation und Wirkung von Gefühlen.

Das Symposium wird am Samstag, den 16. Januar 2016 in den Räumen der Universität Bamberg stattfinden. Da das Symposium von den Beiträgen der Referent_innen lebt, freuen wir uns über dein Interesse! Dein Vortrag sollte max. 30 Minuten lang sein, anschließend wird es Raum für Nachfragen oder Diskussion geben. Bewerben kannst du dich mit einem Abstract über ca. 500 Worte im PDF-Format, der deinen Beitrag und dich kurz vorstellt. Der Abstract sollte zudem deutlich machen, aus welcher Perspektive ein skandalöses Ereignis bzw. dessen historische Wirkung betrachtet wird. Ziel des Symposiums ist es, eine multiperspektivische und epochenübergreifende Behandlung des Skandals zu ermöglichen und zu fördern. Deshalb sind Beiträge aus allen Epochen ausdrücklich erwünscht.

Die Abstracts sollten bis zum 1. November 2015 an geschichte.sv[at]uni-bamberg.de geschickt werden. Falls du wegen einer längeren Anreise einen Schlafplatz benötigst, können wir dir gerne einen Schlafplatz organisieren, wenn du uns frühzeitig informierst.